Guter Start in die Beziehung

Das erste Konzert, das Dennis Russell Davies als Chefdirigent mit dem Sinfonieorchester Basel gegeben hat, ist ein Versprechen für die Zukunft.

Gleich mit seinem ersten Konzert als Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel setzt Dennis Russell Davies ein programmatisches Zeichen. Er will hier Musik des 20. und 21. Jahrhunderts vorstellen und damit auch Irritationen auslösen, aber ebenso das Publikum mit grossen Werken des klassisch-romantischen Repertoires begeistern. Beides ist ihm am Coop-Sinfoniekonzert gelungen. Alban Bergs Violinkonzert <Dem Andenken eines Engels> von 1935, dieses grandiose Werk der Moderne, irritiert noch heute Teile des Publikums. Mit Antonin Dvoraks Sinfonie Nr. 9 <Aus der Neuen Welt> erklang eines der populären Werke des späten 19. Jahrhunderts.

Die auch inhaltliche schlüssige Programmatik ist das eine. Aber wie funktioniert die - nun feste Beziehung zwischen dem Orchester und seinem Wunsch-Chef, den es bisher als Gastdirigent kennt?

Der Start verspricht viel. Zeichen für ein gutes Verständnis ist nicht allein, was wir im Konzert im Musiksaal des Stadt-Casinos gehört haben, sondern auch, dass sich Davies am Schluss als Dank vor dem Orchester verneigt hat. Er verströmt ansteckende Freude an der nun engen Zusammenarbeit.

Davies ist nicht der Dirigent, der die Motive scharf zuspitzt oder gleichsam mit dem Seziermesser die Musik zerlegt. Er will dem Ganzen eine organische Gestalt geben und tut das detailgenau. Er gibt den Melodien eine weiche, fliessende Form, legt Wert auf einen transparenten Orchesterklang und geht stimmig mit den Tempi um. Im Largo - mit dem berührend gespielten Englischhornsolo - lässt er die Musik mal fast stehen und hält dabei die Spannung. Im Scherzo zieht er nach dem Trio das Tempo rasant an, gibt der Musik starken Drive. Im abschliessenden Allegro con fuoco entwickelt das Orchester im Forte mit vollem Bläsersatz enorme Kraft, aber nie ein aufgesetztes Pathos. Und wie er den zweitletzten Takt anschneiden lässt, hat - wenns auch zuerst mal nur fast ganz funktionierte - feinen Humor.

Das Sinfonieorchester Basel folgt dem Willen des klar und genau dirigierenden Chefs in farblich guter Abstimmung und mit klanglicher Wärme. Da fallen nicht ganz saubere Einsätze kaum ins Gewicht.

Bei Bergs Violinkonzert arbeiten Davies und Solist Christian Altenburger auch die Melodiosität dieses vielschichtigen Zwölftonwerks heraus, das Berg der früh verstorbenen Tochter von Walter Gropius und Alma Mahler widmete. Auch hier spitzt Davies nicht zu, gibt aber noch den dunkelsten, Trauer vermittelnden Klanggebilden ergreifende, klare Gestalt. Mit grosser Ausdruckskraft spielt Altenburger, den Solopart, die Kadenzen erhalten klangliche Prägnanz. Ergreifend elegisch ist der Totengesang.

Eröffnet wird Davies' Debut-Konzert als Chef mit der unbekannten, gross besetzten Mozart-Sinfonie Nr. 32 in G-Dur, einer eigentlichen Ouvertüre. Davies ist sicher nicht der Mozart-Spezialist. Das Andante will nicht recht gehen, kommt zu gemächlich daher. Dafür kommt in den beiden Allegroteilen der Musikdramatiker Davies bestens zur Geltung.

Publikum sowie Musikerinnen und Musiker haben Davies heftig applaudiert. Weshalb sich der Veranstalter nicht mit Blumen bedankt hat, das wissen die Götter.

 
Christian Fluri, Basellandschaftliche Zeitung vom 22. Januar 2010 

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