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Studi Wahl-Abo Mittwoch - Saison 2022/23

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Mi 31.08.22
LISZTS FAUST

Sinfonieorchester Basel

Basler Madrigalisten

Babette Mondry, Orgel

Pekka Kuusisto, Violine

Ilker Arcayürek, Tenor

Ivor Bolton, Leitung


Lili Boulanger (1893–1918):
Psaume 24 für Chor, Orgel und Orchester, LB 36 (1916)

Ralph Vaughan Williams (1872–1958):
The Lark Ascending für Violine und Orchester (1914)

Johann Sebastian Bach (1685–1750) /
Anders Hillborg (*1954):

Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, BWV 639,
arrangiert für Solovioline und Streicher
(2015, Schweizer Erstaufführung)

Franz Liszt (1811–1886):
Eine Faust-Symphonie in drei Charakterbildern (1854)


Der Mythos vom Doktor Faust, mit seiner Gier nach Erkenntnis und Macht und seiner Lust an amourösen Eskapaden, hat bis heute nicht an Faszination verloren. Seine Unfähigkeit, den Moment des Glücks zu geniessen, führt zum Teufelspakt mit Mephisto. Franz Liszt hat eine ganze Sinfonie darüber komponiert, ohne dabei den Anspruch zu haben, Goethes literarische Vorlage in Musik zu setzen. In drei gross dimensionierten Sätzen, die Faust, Gretchen und Mephisto charakterisieren, wollte er den geistigen Gehalt des Faust hörbar machen.

Der 24. Psalm von Lili Boulanger ist das Wunderwerk einer 22-jährigen Komponistin, die leider viel zu früh verstarb. Und mit dem fast zur gleichen Zeit entstandenen Gesang der aufsteigenden Lerche von Ralph Vaughan Williams wird Pekka Kuusisto seinen ersten Auftritt der Saison als ‹Artist in Residence› des Sinfonieorchesters Basel haben.


Mittwoch, 31. August 19:30
Stadtcasino Basel

Stadtcasino Basel
Konzertgasse 1
4051 Basel

T +41 61 226 36 00

Website

 

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Mi 21.09.22
VIOL(A)ENCE IN HEAVEN

Sinfonieorchester Basel

Nikola Hillebrand, Sopran

Nils Mönkemeyer, Viola

Markus Poschner, Leitung


Gustav Mahler (1860–1911):
Blumine (1884)

Walter Braunfels:
Bratschenkonzert "Schottische Phantasie"

Gustav Mahler (1860–1911):
Sinfonie Nr. 4 G-Dur (1901)


Himmlisch leicht und fast etwas zu harmlos kommt sie daher, Mahlers Vierte. Die Grundstimmung des Stücks sei wie das «ununterschiedene Himmelblau, das schwieriger zu treffen ist als alle wechselnden und kontrastierenden Tinten», meinte der Komponist. Spätestens beim Sopran-Solo im Schlusssatz, in dem drastisch vom «Metzger Herodes» die Rede ist, wird deutlich, dass sich dieser Himmel durchaus auch verdüstern kann.

Die Geschichte des sinfonischen Satzes Blumine steckt indessen voller Rätsel: Einst Teil der 1. Sinfonie, strich Mahler den Satz nach wenigen Aufführungen bei einer gründlichen Revision des Werks. Nachdem der Satz lange verschollen war, wurde Blumine 1966 wieder ausgegraben; das Werk wird seither als eigenständiges Stück aufgeführt.

Dass auch Bratschen schluchzen können, beweist der deutsche Komponist Walter Braunfels. Die Uraufführung seiner Schottischen Fantasie wurde 1933 unter der Neuordnung des deutschen Kulturlebens verboten. Das Werk kontert mit Leichtigkeit und sonniger Schwärmerei – die Inspirationsquelle dafür war Schottland.


Mittwoch, 21. September 19:30
Stadtcasino Basel

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Mi 19.10.22
LA MER

Sinfonieorchester Basel
Pekka Kuusisto,
Violine
Aziz Shokhakimov, Leitung


Anders Hillborg (*1954):
Sound Atlas (2018, Schweizer Erstaufführung)

Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893):
Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 35 (1878)

Claude Debussy (1862–1918):
La Mer, trois esquisses symphoniques pour orchestre (1905)


‹Sound Atlas› lautet nicht nur unser Saisonmotto, sondern auch der Titel eines der neuesten Orchesterwerke von unserem ‹Composer in Residence› Anders Hillborg. Seine Musik steht für das Eintauchen in sphärische Klangwelten. Nach der Uraufführung 2019 in London schrieb ein Kritiker begeistert: «If Stanley Kubrick came back to remake 2001 and needed a soundtrack, Hillborg would be his man.»

Mit Debussys La Mer erwartet Sie nach der Pause ein musikalisches Kunstwerk der verführerischen Klanglandschaften. Komponiert hat Debussy La Mer weder am Atlantik noch am Mittelmeer, sondern im Burgund.

Mit Blick auf die blühenden Bäume am Genfersee schrieb Tschaikowski sein Violinkonzert. Er konnte nicht ahnen, dass der Musikkritiker Eduard Hanslick nach der Uraufführung in Wien die bösartige Frage stellen würde, ob es nicht auch Musikstücke gibt, die man stinken hört.


Mittwoch, 19. Oktober 19:30
Stadtcasino Basel

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Mi 23.11.22
CELLO ON THE ROCKS

Sinfonieorchester Basel

Nicolas Altstaedt, Violoncello

Krzysztof Urbański, Leitung


Anders Hillborg (*1954):
Konzert für Violoncello und Orchester
(2020, Schweizer Erstaufführung)

Dmitri Schostakowitsch (1906–1975):
Sinfonie Nr. 10 e-Moll, op. 93 (1953)


Anders Hillborg, ‹Composer in Residence› in dieser Saison, kommt aus der elektronischen Musik, komponierte bereits für Film, Pop und Chor und fand durch die Werke von György Ligeti schliesslich zur Orchestermusik. In seinem Cellokonzert befindet sich der Solist gefährlich nahe am Abgrund: Mit langen aufsteigenden Melodielinien windet sich das Solocello aus der Intimität der Besetzung und der eisigen Klanglandschaft heraus. Nach der Uraufführung des Werks in Antwerpen bringt der deutsche Cellist Nicolas Altstaedt das Konzert nun in Basel zur Schweizer Erstaufführung.

Wäre Dmitri Schostakowitschs im Dezember 1953 uraufgeführte 10. Sinfonie ein Jahr vorher veröffentlicht worden, hätte seine Karriere wohl auf dem Spiel gestanden. Die Sinfonie war Teil einer ganzen Sammlung ‹ernsthafter› Werke, die sich bis zum Tod Stalins im März 1953 in Schostakowitschs Schubladen angesammelt hatten und auf ihre Uraufführung oder das Ende ihres Aufführungsverbots warteten. In der Zehnten sind düstere Verarbeitungen der diktatorischen Stalin-Zeit zu hören, bevor Schostakowitsch in den letzten Takten der Sinfonie sein eigenes Kennzeichen – die Initialen D-S-C-H – als Tonfolge in die Partitur hämmert.

Im Rahmen dieses Konzerts findet ein Entdeckerprogramm statt, dessen Ablauf vorab im Programm-Magazin bekanntgegeben wird.


Mittwoch, 23. November 19:30
Stadtcasino Basel

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Mi 25.01.23
RACH 150

Sinfonieorchester Basel

Frank Peter Zimmermann, Violine

Robert Trevino, Leitung


Igor Strawinsky (1882–1971):
Konzert für Violine und Orchester D-Dur (1931)

Sergei Rachmaninow (1873–1943):
Sinfonie Nr. 2 e-Moll, op. 27 (1908)


Werden die berühmten Klavierkonzerte von Sergei Rachmaninow aufgeführt, spricht man unter Pianist*innen wohlwissend von ‹Rach 2› oder ‹Rach 3›. Zum 150. Geburtstag des Komponisten steht auf diesem Konzertprogramm ein Werk, das der musikalischen Schwermut des spätromantischen Russlands ebenso verpflichtet ist. Rachmaninows 2. Sinfonie entstand wie Phönix aus der Asche der desaströsen Uraufführung seiner 1. Sinfonie. Von einer tiefen Sinnkrise geplagt, fand Rachmaninow 1906/07 in Dresden Abgeschiedenheit und Ruhe, um sich nach zwölf Jahren erneut an die Königsdisziplin der Sinfonie zu wagen. Das Ergebnis ist ein Werk zwischen verklärter Melancholie und lebensbejahender Euphorie – eine Mischung, die der russische Komponist auch während seiner Zwangsexile in Amerika und im luzernischen Weggis beibehielt.

Auch für Igor Strawinsky war die Schweiz ein Zufluchtsort, und er logierte ab 1910 regelmässig am Genfersee. Der Komponist schlüpfte während seines Schaffens in viele unterschiedliche Stilkleider – für sein einziges Violinkonzert etwa setzte er sich mit Formen des Barock auseinander. Es wurde 1931 im Haus des Berliner Rund- funks uraufgeführt – als eine der ersten Live-Übertragungen der damaligen Reichsrundfunkgesellschaft.


Mittwoch, 25. Januar 19:30
Stadtcasino Basel

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Mi 19.04.23
BRUCKNER 9

Sinfonieorchester Basel

Lawrence Power, Viola

Domingo Hindoyan, Leitung


Anders Hillborg (*1954):
Konzert für Viola und Orchester
(2021, Schweizer Erstaufführung)

Anton Bruckner (1824–1896):
Sinfonie Nr. 9 dMoll, WAB 109 (1894)


«Ich habe auf Erden meine Schuldigkeit getan; ich tat, was ich konnte.» Schon zehn Jahre vor seinem Tod hatte Anton Bruckner geahnt, dass die 9. Sinfonie, wie schon bei Ludwig van Beethoven, seine letzte sein würde. Und dennoch hegte er den inständigen Wunsch, die Neunte zu vollenden. Tragischerweise ist sie ein «dem lieben Gott» gewidmetes Fragment geblieben.

Zuvor aber steht die Schweizer Erstaufführung des Konzerts für Viola und Orchester von Anders Hillborg mit dem englischen Bratschisten Lawrence Power auf dem Programm.


Mittwoch, 19. April 19:30
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Mi 24.05.23
BOLÉRO

Sinfonieorchester Basel

Behzod Abduraimov, Klavier

Pierre Bleuse, Leitung


Manuel de Falla (1876–1946):
Suite Nr. 2 aus Der Dreispitz (1919)

Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893):
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 bMoll, op. 23 (1874)

Claude Debussy (1862–1918):
Images pour orchestre (1912)

Maurice Ravel (1875–1937):
Boléro (1928)


Eine Apotheose des Tanzes aus Gigues, Bolero, Rondes de Printemps und Jota umgibt an diesem Abend das 1. Klavierkonzert von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Der französische Dirigent Pierre Bleuse bringt mit seinem Debüt beim Sinfonieorchester Basel ein farbenfrohes Potpourri der Orchestermusik aus französischer Eleganz und spanischer Leidenschaft nach Basel. Manuel de Falla komponierte seinen Dreispitz 1919 für die in London ansässigen Ballets Russes. Die Verwendung spanischer Rhythmen und Instrumentalfarben bringt das Werk in die Nähe von Debussys Images pour orchestre und Ravels Boléro. Ravel bemerkte über sein erfolgreichstes Werk gegenüber seinem Kollegen Arthur Honegger: «Ich habe nur ein Meisterwerk gemacht, das ist der Boléro; leider enthält er keine Musik.» Ganz unrecht hat er nicht: ein einziges rhythmisches Modell in 15 Minuten – 169 Mal wiederholt. Die ekstatische Wucht, die daraus entsteht, ist einzigartig.


Mittwoch, 24. Mai 19:30
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Mi 28.06.23
CÉSAR

Sinfonieorchester Basel

Piotr Anderszewski, Klavier

Ivor Bolton, Leitung


Ludwig van Beethoven (1770–1827):
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 CDur, op. 15 (1801)

César Franck (1822–1890):
Sinfonie dMoll, FWV 48 (1888)


Beethoven begann mit der Komposition seines 1. Klavierkonzerts kurz nach seinem Umzug von Bonn nach Wien, um an seiner neuen Wirkungsstätte sein eigenes virtuoses Klavierspiel zu präsentieren. Kurz vor der Uraufführung berichtete Beethoven seinem Freund Franz Wegeler, dass er das Finale «erst am Nachmittag zwei Tage vor der Aufführung komponierte [...] Vier Kopisten sassen im Flur und arbeiteten an den Manuskriptblättern, die ich ihnen nacheinander übergab.»

Erst im hohen Alter komponierte César Franck seine erste und einzige Sinfonie, die auf geniale Weise franzö- sischen Charme mit absoluter Musik à la Beethoven verbindet. Publikum und Kritik reagierten bei der Urauf- führung irritiert. Man diskutierte, ob der Komponist wohl eher dem Lager der Programmmusik eines Wagner zuzuordnen sei oder dem von Brahms und den Anhänger*innen der absoluten Musik. Franck, dessen 200. Geburtstag in dieser Saison gefeiert wird, konnte den Siegeszug seines Werks in den Konzertsälen nicht mehr erleben: Ein Jahr nach der Uraufführung 1889 starb er in Paris an den Folgen eines Verkehrsunfalls.


Mittwoch, 28. Juni 19:30
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