Bonus Tracks
Spiegel der GegenwartInitiiert von Markus Poschner und dem Sinfonieorchester Basel, feiern diese Saison die ‹Bonus Tracks› Premiere: kurze Auftragskompositionen, die in direktem Bezug zu zentralen Programmpunkten stehen. Zuerst war die Idee: Frische Zugänge zu bekannten musikalischen Werken schaffen. Es folgte das Konzept: Eben diese Werke kommentieren, reflektieren, kontrapunktieren – in der gleichen Kunstform. Nun stehen bevor: Drei Uraufführungen als zeitgenössischer Spiegel zu je einem Werk aus dem Abo-Programm.
μ-Cephei – La Valse (14./15. Okt. 2026)
Anna SowaDie in Basel lebende polnische Komponistin Anna Sowa stellt mit μ-Cephei einen direkten Bezug zum Habsburgerreich her, dessen Untergang in Maurice Ravels La Valse eindrücklich thematisiert wird. Sowa erweitert unseren Blick von einem aus menschlicher Perspektive damals gigantisch wirkenden Imperium ins All und zeigt dabei die historische Bedeutung irdischer Ereignisse aus einem völlig neuen Blickwinkel. μ-Cephei, der Titel ihres Werks, bezeichnet einen Himmelskörper aus der Klasse der sogenannten Riesensterne, auch ‹Rote Riesen› genannt: rot leuchtende, auf bis zum Hundertfachen ihres ursprünglichen Volumens aufgeblähte Sterne, die kurz vor ihrem Verlöschen stehen.
Salt – Icarus (24./25. Feb. 2027)
Geoffrey GordonGeoffrey Gordons ‹Bonus Track› Salt versteht sich als Ergänzung zu seinem in Basel als Uraufführung erklingenden Klarinettenkonzert Icarus. Der britisch-amerikanische Komponist sagt dazu: «Der Mythos von Ikarus ist bekannt. Wer zu nah an die Sonne heranfliegt, dem schmelzen die (Wachs-)Flügel. Daedalus sprach gegenüber seinem Sohn Ikarus aber noch eine weitere Warnung aus: Fliegst du zu dicht über der Meeresoberfläche, wird der salzige Schaum des Meeres deine Federn nässen – mit denselben katastrophalen Folgen.»
After the Hunt: The Heavens – Heldenleben (16./17. Juni 2027)
Helena WinkelmanIn Helena Winkelmans After the Hunt: The Heavens gehe es, so die Komponistin, «um das uralte Thema der Jagd, ums Fressen-und-gefressen-Werden». Ihr Stück schildert eine Flucht mit «maximalem Adrenalin». Winkelmans Komposition nimmt Bezug auf Richard Strauss’ Heldenleben und erklingt im Konzert vor dieser Tondichtung. Der riesige Orchesterapparat, für den Strauss schrieb, kommt schon bei ihrem verhältnismässig kurzen Stück zum Einsatz. Eine Herausforderung für die Schweizer Komponistin, die mit ihrem ‹Bonus Track› verspricht, nicht nur abzuheben, sondern auch den heroischen Gestus zu bewahren.
Alle Konzerte finden unter der Leitung des Chefdirigenten Markus Poschner statt.