Wenn die Musik verstummt

Was mit der ‹SRG-Halbierungsinitiative› auf dem Spiel steht

Stefan Müller-Altermatt weiss, wovon er spricht: Der Nationalrat (Die Mitte, Kanton SO) und Präsident des Schweizer Musikrats spielte selbst jahrelang Waldhorn im Militärspiel der Schweizer Armee. Heute kämpft er auf politischer Bühne für den Erhalt der musikalischen Bühne. Im Gespräch warnt er eindringlich vor den Folgen der sogenannten SRG-Halbierungsinitiative und erklärt, weshalb es hier weit mehr als nur um eine medienpolitische Frage geht.

Porträt von Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat (Die Mitte, Kanton Solothurn) und Präsident des Schweizer Musikrats. Das Foto zeigt ihn in professioneller, zugänglicher Haltung vor hellem Hintergrund.

Sinfonieorchester Basel (SOB): Herr Müller-Altermatt, warum engagiert sich der Schweizer Musikrat gegen die Halbierungsinitiative?
Stefan Müller-Altermatt (SMA): Weil Musik Öffentlichkeit braucht. Wenn die SRG nur noch halb so viele Mittel hätte, verschwänden unzählige Konzertübertragungen, Radiostunden, Porträts und Beiträge über Musikerinnen und Musiker. Die mediale Stimme, die heute für das Schweizer Musikleben so wichtig ist, würde weitgehend verstummen. Und das betrifft nicht nur die grossen Orchester, sondern auch Chöre, Ensembles und Nachwuchsformationen.

 

SOB: Viele denken bei der Initiative zuerst an die Nachrichten oder an Unterhaltungssendungen und weniger an Musik. Warum ist sie auch kulturpolitisch so brisant? 
SMA: Weil Kultur in den privaten Medien kaum stattfindet. Der Kulturjournalismus ist schon heute ein gefährdetes Gut. Wenn die SRG massiv sparen muss, trifft es genau jene Bereiche, die keine Quoten bringen – also klassische Musik, Jazz, Volksmusik, Neue Musik. Ohne diese Berichterstattung verliert das Publikum den Bezug zu einem zentralen Teil unserer Identität. 

 

SOB: Manche sagen, die Musikszene solle sich stärker selbst vermarkten. Ist das realistisch? 
SMA: Professionelles Musikleben braucht Öffentlichkeit – und die entsteht nicht von selbst. Ein Sinfoniekonzert in Basel wird nicht nur deshalb gehört, weil es stattfindet, sondern weil es gezeigt, erzählt, vermittelt wird. Die SRG ist dafür das Rückgrat. Wenn man dieses Rückgrat bricht, ihr Budget halbiert, bricht das System an vielen Stellen. 

 

SOB: Was steht konkret auf dem Spiel? 
SMA: Kulturförderung funktioniert nur im Zusammenspiel: Fördergelder, Bildung, Bühnen – und eben Medienpräsenz. Wenn eines dieser Elemente wegfällt, gerät das Ganze aus dem Gleichgewicht. Die Halbierungsinitiative wäre ein Angriff auf dieses Gleichgewicht und letztlich auch auf den kulturellen Zusammenhalt unseres Landes. 

 

SOB: Was wünschen Sie sich von unserem Publikum? 
SMA: Dass es erkennt, dass diese Initiative uns alle betrifft, auch wenn man nicht täglich SRF schaut oder hört. Sie entscheidet mit darüber, ob Musik in der Schweiz weiterhin gehört, gesehen und verstanden wird – oder ob sie in der Stille verschwindet.